Anzeige
Projekt "Erinnerungspaten" der Villa ten Hompel
© Amt für Kommunikation, Stadt Münster
Villa ten Hompel. Die ehemalige Fabrikantenvilla in Münster, Sitz der Ordnungspolizei im Nationalsozialismus, Ort der Entnazifizierung und Dezernat für Wiedergutmachung im Nachkriegsdeutschland, bietet heute Raum für die Auseinandersetzung mit geschichtlichen und aktuellen Themen zwischen Erinnerungskultur und Demokratieförderung am historischen Ort.
Teilen: mail

Projekt "Erinnerungspaten" der Villa ten Hompel

Das Projekt "Erinnerungspaten" hat sich zum Ziel gesetzt, dass individuelle Geschichten von Überlebenden aus der NS-Zeit nicht aussterben. Dafür gibt es sogenannte Erinnerungspat:innen. Das sind Menschen, die Überlebende persönlich kannten und deren Geschichte nun in die Schulen tragen und so weitererzählen.

Veröffentlicht: Donnerstag, 09.04.2026 04:00

Anzeige

Immer mehr Zeitzeug:innen aus der NS-Zeit sterben und mit Ihnen auch Ihre Geschichten und Schicksale. Das Angebot der "Erinnerungspaten" soll genau diesem Problem entgegenwirken. Das Projekt der Villa ten Hompel, einem Geschichtsort in Münster, wurde 2018 ins Leben gerufen. Pat:innen tragen Erinnerungen weiter. Dabei geht es um Menschen, die damals einen Bezug zum Regierungsbezirk Münster hatten und deren Leben in der Zeit des Nationalsozialismus gegen deren Willen verändert wurde; die entrechtet, verfolgt oder gequält wurden. Dazu gehören Holocaust-Überlebende, Verfolgte, Untergetauchte, Emigrant:innen, Kinder der Kindertransporte, aber auch Angehörige von Überlebenden. Pat:innen sind Menschen, die diese Personen persönlich kannten, mit Ihnen befreundet waren oder Angehörige sind. Besonders wichtig ist es dem Projekt, dass es nicht nur um Daten und Fakten geht, sondern, dass eben die individuellen Geschichten und Schicksale nicht verloren gehen. In dem Projekt arbeiten insgesamt elf Erinnerungspat:innen ehrenamtlich. Sie alle sind Pate oder Patin von einer Person und versuchen, die Geschichte dieser Person weiterzuerzählen.

Anzeige

Erinnerung in die Schulen tragen

Anzeige

Die Erinnerungspat:innen sind regelmäßig in Schulen unterwegs und erzählen Schülern und Schülerinnen von den Geschichten Ihrer Pat:innen. Nachdem die Marienschule in Münster schon vergangenes Jahr zum Holocaust-Gedenktag eine Erinnerungspatin zu Besuch hatte, war auch dieses Jahr wieder ein Erinnerungspate in die Schule eingeladen. Schülerin Pia Botzenhardt erzählt:

Man merkt sich das einfach viel besser, das hinterlässt so einen Nachhall, sodass ich mich auch jetzt noch so gut daran zurückerinnern kann.

Sie erklärt, dass es für sie einen riesigen Unterschied gemacht hat, Geschichten über den Holocaust mal nicht nur im Geschichtsbuch zu lesen, sondern quasi hautnah von einer Person erzählt zu bekommen. Pia ist Teil der Schülervertretung und es ist ihr ein großes Anliegen, dass solche Projekte an der Marienschule stattfinden. Auch Geschichtslehrerin Alexa Polreich erzählt, warum Sie das Projekt so wichtig findet.

Man konnte sich einfach sehr gut in diese Zeit und diese Person hineinversetzen, das merkte man schon in der Atmosphäre der Zuhörerschaft. Alle waren total aufmerksam. Man konnte eine Strecknadel fallen hören. Manche haben auch geweint, weil sie so bewegt waren, das passiert natürlich im Geschichtsunterricht eher nicht.

Die Schule will das Projekt auch weiterhin durchführen und Schülerin Pia Botzenhardt und Lehrerin Alexa Polreich betonen beide, wie wichtig solche Projekte für das Verständnis der Geschichte sind und finden, dass es das Projekt eigentlich an jeder Schule geben sollte.

Anzeige

Bernd Drücke als Pate von Paul Wulf

Anzeige

Dr. Bernd Drücke ist Erinnerungspate von Paul Wulf. Paul Wulf war ein Zwangssterilisierter und Opfer des Nationalsozialismus. Er und Bernd Drücke waren lange Zeit sehr gut befreundet.

Ich habe ihn die letzten zehn Lebensjahre sehr intensiv begleitet. Wir waren wirklich sehr gut befreundet und da haben wir natürlich nach seinem Tod gedacht, wir müssen die Erinnerungsarbeit weiter leisten.

Nun geht Bernd Drücke regelmäßig in Schulen und veranschaulicht da zusammen mit Bildern und Videos, die Geschichte und das Schicksal von Paul Wulf. Er erzählt, dass es ihm sehr viel bedeutet, diese Erinnerung an Schüler und Schülerinnen weiterzugeben und das er merkt, dass nach seinen Besuchen bei den Kindern wirklich was hängen bleibt. Diese Art von Geschichtsunterricht sei eben was ganz anderes als gewöhnlicher Unterricht aus Büchern.

Anzeige
Bernd Drücke ist Erinnerungspate der Geschichte und Erinnerung von NS-Opfer Paul Wulf.
© ANTENNE MÜNSTER
Bernd Drücke ist Erinnerungspate der Geschichte und Erinnerung von NS-Opfer Paul Wulf.
Anzeige

Ein Blick in die Zukunft

Anzeige

Das Projekt "Erinnerungspaten" soll in der Zukunft noch an weiteren Schulen durchgeführt werden, sodass noch mehr der insgesamt elf Erinnerungspaten und -patinnen die individuelle Erinnerung an Schüler und Schülerinnen weitergeben können. Kim Frohwein ist Abgeordnete Lehrkraft an der Villa ten Hompel und betont:

Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir das Projekt noch weiter ausbauen können und auch an noch mehr Schulen oder öffentliche Einrichtungen vermitteln können, sodass die Geschichten auch von möglichst vielen Menschen gehört werden. Und so das Ganze eben lebendig bleibt und wir alle gemeinsam einen Beitrag leisten, dass Erinnerung nicht verloren geht und somit auch Präventionsarbeit geleistet wird.

So soll das Projekt also in der Zukunft aussehen und auch weiter ausgebaut werden.

Anzeige
Anzeige
Anzeige